Filmempfehlung: Shoah von Claude Lanzmann

Filmempfehlung: Shoah von Claude Lanzmann

Lanzmann: ShoahIch möchte Ihnen diesen Film nicht empfehlen, weil er sehr positiv, spirituell oder aufbauend wäre, das ist er nicht, sondern weil er von einem Geschehen erzählt, das niemals in Vergessenheit geraten sollte. Als gelernter Historiker halte ich es für eine Notwendigkeit, die Erinnerung an den Holocaust und die damit verbundenen Greuel wachzuhalten.

Für die meisten Menschen ist es unvorstellbar, dass Menschen ihren Menschenbrüdern Derartiges antun können. Und doch haben sie es getan. Der Völkermord an den Juden, aber auch der vielfache Mord an den Sinti und Roma, den Kommunisten und den Andersdenkenden überhaupt sollte uns allen ein Mahnmal sein, dass wir Menschen uns niemals vom Hass bestimmen, leiten und beherrschen lassen dürfen. Der Hass macht uns zu Bestien. Egal ob es Antisemitismus ist, Ausländerfeindlichkeit, Religionshass auf Andersgläubige, Schwulenhass oder Rachehass – der Hass ist wohl das Destruktivste und Zerstörendste, was Menschen in ihr Gemüt aufnehmen können. Und das sollten wir nicht tun.

Der Film „SHOAH“ von Claude Lanzmann ist neben dem Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen …“ von Viktor E. Frankl wohl das Erschütterndste, was ich jemals über den Holocaust gesehen oder gelesen habe. Lanzmann hat zwischen 1973 und 1985 12 Jahre an dem Film gearbeitet, hat neben vielen überlebenden Opfern auch ehemalige Nachbarn, einen polnischen Lokführer, der Judentransporte gefahren hat, und Bauern aus der direkten Nachbarschaft eines Vernichtungslagers gesprochen. Mit zu dem Erschütterndsten, an das ich mich erinnere, gehört die Szene, in der ein jüdischer Friseur in seinem Friseursalon davon berichtet, wie er in einem Vernichtungslager anderen Juden die Haare schneiden musste, bevor sie in die Gaskammern kamen. Es ergreift einen zutiefst, und zwischenzeitlich hat man nur den Wunsch, diesen Menschen in den Arm zu nehmen und zu trösten.

Der Film ist auf eine sehr eigene Art gefilmt und montiert worden und ist mit einer Länge von über 9 Stunden keine leichte Kost. Er ist völlig ohne Spektakel und unterhaltsame Abwechslung gemacht. Ganz anders als heutzutage Filme gemacht werden. Auch hat Lanzmann auf alle Fotos aus KZs etc. verzichtet und beschränkt sich nur auf das Material, das er selbst gedreht hat. In den ersten Minuten fiel es mir schwer, dranzubleiben, aber nachdem ich mich auf den Film eingelassen hatte, hat er mich nicht mehr lsogelassen, und ich habe ihn von Anfang bis Ende angeschaut.

SEHR EMPFEHLENSWERT!!!

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