Feindesliebe

Feindesliebe

Inspiriert durch das „Kriegslied“ von Matthias Claudius

© Thomas Eich

’s ist Krieg, ’s ist Krieg! Könnt ihr’s nicht sehn?
Gewalt und Tod rings um uns her!
’s ist Krieg, ’s ist Krieg! Könnt ihr’s verstehn?
Gibt es denn keine Liebe mehr?

Wie lang schon keimt des Hasses Saat?
Gab’s nicht zu allen Zeiten
in allen Ländern, jedem Staat
Soldaten, um zu streiten?

So alt der Mensch, so alt der Krieg,
So mag’s mir bald erscheinen.
Die Feldherrn lechzen nach dem Sieg,
dem Volk bleibt nur zu weinen.

’s ist Krieg, ’s ist Krieg! Könnt ihr’s nicht sehn?
Ein Teufelskreis regiert die Welt!
’s ist Krieg, ’s ist Krieg! Könnt ihr verstehn,
wie leicht ein Mensch den and’ren fällt?

Wo ist er? Wo? Ihr Menschen, sagt!
Der Ausweg aus den Leiden?
„Wo ist er nur?“, ihr Menschen fragt,
Ob Christen oder Heiden.

Ihr kennt ihn wohl, doch wisst ihn nicht,
er scheint euch unbegehbar,
und der ihn wies, kam vor Gericht.
Sein Kreuz – unübersehbar.

’s ist Krieg, ’s ist Krieg! Und ihr begehrt,
nicht schuld daran zu sein?
Ihr Menschen hört: Dem Grauen wehrt
die Liebe nur allein!

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