Schwör ab!

Schwör ab!

Eine Ballade zur Christenverfolgung

© Thomas Eich

„Bist du ein Christ? Ja oder Nein?“
„Ja, ich bin Christ und will’s auch sein!“
„Schwör ab vom Nazarenertum,
sonst wird der Tod schon bald dein Ruhm!

Schwör ab, kehr um, dann bist du frei,
dann ist schnell das Verhör vorbei!
Doch tust du’s nicht, so ist’s dein Tod;
das ist des Kaisers hart’ Gebot.“

„Ich bin ein Christ und bleib’s allzeit,
und dafür trag ich auch das Leid,
denn Christus hat uns all’ erlöst,
auch wenn die Welt uns jetzt verstößt.

Wir stehn zu ihm, er bleibt uns treu
und schenkt uns täglich wieder neu
die Liebe Gottes und das Glück.
Zu Gott führt er uns hin zurück.“

„Sei still und schwör der Sekte ab,
die dich sonst stößt ins Grab hinab!
Lass ab von diesem Nazarener,
sonst wirst du sterben wie einst jener!

Schwör ab, schwör ab, nimm an Vernunft!
Was gab dir die Zusammenkunft
mit Sklaven, Huren und Verbrechern,
mit Kranken, Mördern, üblen Schächern?

Kehr doch zurück zum heil’gen Rom,
das dich voll Gnad’ erwartet schon,
denn schwörst du ab, ist all’s verziehn,
wenn’s auch als Staatsverbrechen schien.“

„Ich bin ein Christ und bleib es auch,
selbst wenn mein Leib sinkt hin in Rauch.
Ich steh zu dem, den ich erkannt,
ganz gleich wie er von euch genannt.“

„Dann geh zu ihm, ich halt dich nicht!
Schuldig zeigst du dich dem Gericht.
So hör das Urteil, ’s lautet: Tod.
Du selbst bracht’st dich in diese Not.“

Der Richter schweigt und senkt das Haupt.
Die Masse tobt, weil einer glaubt
und nicht dem Christentum schwört ab,
sondern sich lieber legt ins Grab.

Das Urteil wird sofort vollstreckt,
damit die andern sein geweckt
und keiner sich mehr zeigt so stur,
wie man’s von diesem hier erfuhr.

Der Richter eilet schnell hinfort
von diesem fluchbelad’nen Ort
und ist wohl weit entfernet schon,
als auf dem Richtplatz stirbt sein Sohn.

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