Hans Sterneder

Hans Sterneder

Dichter und Mystiker


Hans Sterneder - Dichter und MystikerLeben und Schaffen eines außergewöhnlichen Schriftstellers.
Taschenbuch, 98 Seiten
EICH-VERLAG

Hans Sterneder war ein Dichter, Mystiker und Kosmosoph, Professor und Träger des höchsten Ordens für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Er galt als eine der liebenswürdigsten Dichterpersönlichkeiten Österreichs und wegen seiner hohen Spiritualität als ein bedeutsamer Anreger des religiösen Lebens seiner Zeit. Er sah seine Aufgabe darin, hohe Dichtkunst mit kosmisch-geistigem Lebenserkennen zu verschmelzen.

 

LESEPROBE

Mutter Natur

© 2009 Thomas Eich-Verlag

Eine grundlegende Voraussetzung und tiefgreifende Wurzel seines späteren Schaffens war Hans Sterneders innige Liebe zur Natur.

Er war zwar Spross eines Rittergutsgeschlechts, aber nur unehelicher Spross. Seine Mutter war eine Bauernmagd. Und weil der reiche Großvater zunächst gegen die Verbindung des Sohnes mit der armen Magd war und Sterneders Mutter den Lebensunterhalt verdienen musste, wuchs der kleine Hans in den ersten Jahren bei der armen Großmutter auf. Zeitweise sogar in einer „Armeleuthausung“ außerhalb des Dorfes inmitten von Wiesen und Feldern.

Was auf den ersten Blick wie bittere Armut aussieht, war für den kleinen Hans das pure Glück. Die Liebe von Mutter und Großmutter hegten ihn, der Duft der Blumen, Gräser und Feldfrüchte umfing ihn. Er war gewissermaßen hineingeboren in den Schoß der Erde und die Geborgenheit der Schöpfung.

Nachdem ihn das Schicksal zwischenzeitlich auf den Gutshof des Großvaters geführt, die zerrissene Familie geeint und den jungen Hans zum Rittergutserben gemacht hatte, streck­te es ihn nach der Matura (Abitur) mit mehreren Schlägen nieder und stieß ihn hinaus auf die Landstraße. Ähnlich seiner Romanfigur Beatus Klingohr trieb es ihn 1909–1911 zwei Jahre als Walzbruder kreuz und quer durch Europa.

War der Anlass Verzweiflung und das Leben auf der Landstraße oftmals hart und mühselig, so war doch die Zeit seiner Wanderschaft ein großer Segen für ihn und seine Aufgabe. In ihr vertiefte sich seine Liebe und Hingabe zur Natur. Wieder erlebte er sie hautnah, schmeckte den Wind auf den Lippen, fühlte den Regen auf der Haut und versenkte sich mehr und mehr in ihr Sein und Walten, entdeckte ihre geistigen Ursprünge und erkannte viele ihrer Geheimnisse. So sagte er später:

„Das Aufkräuseln einer Staubwolke auf der Landstraße war mir tausendmal wichtiger als alle Ehren und Ämter, die mich an die ‚Realität‘ des Lebens gebunden, aber vom mys­tisch-magischen Leben der Natur entfernt hätten.“